Sonntag, 27. September 2026

Die Toten in der Wassermühle - von Yukito Ayatsuji

Die Toten in der Wassermühle
von Yukito Ayatsuji
Hardcover
ISBN: 978 -3809028000

 Gelungene Kulisse, aber zäh im Aufbau

Mit diesem Roman legt der japanische Autor Yukito Ayatsuji den zweiten Band seiner „Bizarre Häuser“-Reihe vor. Ein abgelegenes Anwesen in den Bergen, ein maskierter Hausherr und eine unheimliche Mordserie im Vorjahr bieten eigentlich die perfekte Kulisse für einen fesselnden „Locked-Room“-Krimi im Stile von Agatha Christie. Für mich war der Ausflug in das Mühlenhaus jedoch ein Erlebnis mit gemischten Gefühlen.

Ich kenne das erste Buch („Die Morde im Dekagonhaus“) nicht, was beim Lesen aber überhaupt kein Problem darstellte. Die Geschichte steht für sich allein und man benötigt kein Vorwissen, um der Handlung theoretisch folgen zu können. Ein echtes Highlight war für mich die Gestaltung des Buches: Der präzise Grundriss des Hauses sowie das Personenverzeichnis zu Beginn waren extrem hilfreich. Ohne diese Orientierungshilfen verliert man in der verwinkelten Architektur und dem Figurenkonstrukt schnell den Überblick.

Leider konnte mich die Umsetzung nicht durchgehend überzeugen. Die erste Hälfte des Buches zieht sich in der Handlung sehr. Es dauert lange, bis die Dynamik an Fahrt aufnimmt und echte Spannung aufkommt. Erschwert wird der Lesefluss durch die Struktur: Die Erzählung springt ständig zwischen verschiedenen Zeitebenen (der Gegenwart und den Ereignissen ein Jahr zuvor) hin und her. Da diese Wechsel der Zeitebenen zudem in jeweils unterschiedlichen Perspektiven geschrieben sind, wirkte der Aufbau auf mich manchmal sehr verwirrend. Man muss sich beim Lesen stark konzentrieren, um nicht den Faden zu verlieren.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Figuren. Obwohl es sich um eine überschaubare Gruppe in Isolation handelt, blieb mir die Gesellschaft im Mühlenhaus bis zum Schluss fremd. Die Beweggründe der einzelnen Charaktere blieben für mich rätselhaft. Da ihre Motive, Emotionen und Handlungen oft nur an der Oberfläche kratzen, fiel es mir schwer, eine Bindung zu ihnen aufzubauen oder mitzufiebern.

Der Roman punktet mit einer atmosphärischen Kulisse. Wer jedoch einen rasanten Krimi erwartet, muss viel Geduld mitbringen. Durch die zähe erste Hälfte, die verwirrenden Perspektiven und die blassen Charaktere ist der Roman für mich eher ein solider, aber stellenweise anstrengender Rätselkrimi für Fans des klassischen Detektivromans.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen